Leseprobe

Walikale, Kivu, Zaïre.
Die Maschine neigte sich ganz leicht nach links und Gerd Winter wies auf die Asphaltstraße, die sich unten zeigte. Links und rechts der Schneise, die sich durch den tiefgrünen Urwald schlängelte, waren hier und da kleinere Gruppen Hütten zu sehen. Winter drosselte die Motoren und brachte die Maschine wieder in den Horizontalflug.
„So Jungs, da sind wir schon wieder. Hoffentlich läuft das hier erneut so geschmiert wie beim letzten Mal.“
Er nahm noch ein bisschen Gas zurück, fuhr die Landeklappen aus und begann den Sinkflug. Das gerade Stück Straße, das sie nun schon zum sechsten Mal als Landepiste benutzten, war verdammt kurz für ein Flugzeug, das einige Tonnen Fracht mitnehmen musste. Aber die Avio war dafür wie geschaffen. Sobald er die Kiste aufgesetzt hatte, ziemlich ruppig diesmal fand Steiner, ging Winter knallhart in die Bremsen und drehte den Verstellpropeller voll auf Schubumkehr. Die Avio fing sofort an unangenehm zu schütteln und zu vibrieren, als ob das Flugzeug zeigen wollte, dass es solch eine Behandlung nicht verdient hatte. Am Ende des geraden Stückes Asphalt angekommen, war dann die Geschwindigkeit so weit herunter, dass die leichte Kurve die danach kam, kein Problem mehr darstellte. Aber spannend war es immer wieder. Sehr spannend sogar.
Gerd Winter pumpte die Luft aus seinen Lungen, seufzte und war sichtlich doch ein bisschen erleichtert, dass diese Landung wieder einmal gelungen war. Aus einer der Hütten, die sich etwa an der Hälfte der Landestrecke befanden, bewegten sich einige, in die üblichen olivgrünen
Drillichanzüge gekleidete Krieger des FNLC gemächlich auf dem Weg zum Flugzeug. Das Empfangskomitee meldete sich. Jeder hatte die obligatorische Kalaschnikow auf dem Rücken hängen, wobei Steiner bemerkte, dass diese Kerlchen – schwierig zu sagen natürlich ob die
nun 12 oder 14 Jahre waren, aber jung waren sie alle – entweder Gefechtserfahrung oder aber einen sehr guten Ausbilder gehabt hatten. An eine gute Ausbildung in diesem Teil der Welt wollte
Steiner nun wirklich nicht glauben. Also war es Gefechtserfahrung. An dem Patronenmagazin der AK-47 hatten sie alle mit Klebestreifen ein zweites Magazin angeklebt, damit man in einem Feuergefecht das Magazin um einiges schneller wechseln konnte. Und was wirklich
Eindruck auf Steiner machte war, dass die Kerle daran gedacht hatten, über den Patronenauswurf des angeklebten Magazins einen Stofffetzen zu kleben, als Schutz gegen möglichen Schmutz. Alle
Achtung. Das deutete auf Erfahrung hin. Der Erstangekommene der FNLC-Krieger nahm so etwas ähnliches wie eine Habtachtstellung ein und brachte die rechte Hand an seine Mütze. Steiner erwiderte zunächst den Gruß auf militärische Art und begrüßte dann die vier Jungs, eigentlich waren es ja Kinder, einzeln per Handschlag.
„Tag, die Herren, schön, dass wir uns so schnell wiedersehen. Haben wir denn die hübschen kleinen Säckchen fertig zum Einladen?“
„Nicht so schnell diesmal, Messieurs, kommen Sie beide doch erst mal mit. Der Kommandant möchte Sie gerne sprechen.“
„O.K., O.K., kein Problem, aber erst mal müssen wir das Flugzeug umdrehen. Zwei Mann an jedem Flügel und ab die Post.“
Die ersten paarmal, dass sie hierher geflogen waren, da waren alle angespannt gewesen. Sowohl die Steiner-Truppe als auch die Bewacher, alle waren nervös gewesen. Sehr schnell aber, schon nach
drei, vier Flügen hatte sich so etwas wie eine Routine eingestellt. Man begrüßte sich, machte schon mal ein Witzchen, spendierte eine Zigarette. Jetzt aber war die Gereiztheit bei Steiner plötzlich wieder da. Was wollte dieser Ramazani? Sie hatten den „Kommandanten“ natürlich bereits bei der ersten Abholung kennengelernt und aus beruflicher Sicht war der Mann für Steiner, seines Zeichens Oberstleutnant a.D. der Bundeswehr, schlichtweg eine Witzfigur. Die Zaïrer waren im allgemeinen dafür bekannt, dass sie gerne und viel schwadronierten, aber dieser „Kommandant“ setzte nach Steiners Meinung noch einen oben drauf. Außerdem bewegte der sich mit jener Sorte gespielter
Eleganz, die er zweifellos vor dem Spiegel einstudiert hatte. Der endlos wiederholte Genuss einer nicht allzu großen Auswahl an amerikanischen Spielfilmen war sicherlich für den Kommandanten
eine Quelle der Inspiration gewesen.
„Affektierter Schleimscheißer“ war Karls Urteil.
Also was wollte Ramazani? Steiner schlang sich die Uzi, die im Cockpit der Avio lag um die Schulter, und machte ein Zeichen zu Winter rüber, dass auch er sein Schießeisen mitnehmen sollte.
Eigentlich hatte er halbwegs erwartet, dass einer der Kadogos einen Einwand erheben würde, gegen die Tatsache, dass sie Ihre Waffen mitnahmen. Aber da kam nichts. Auch gut. Der Holzverschlag, den Ramazani anscheinend, als sein Hauptquartier benutzte, wenn er hier unten an der Landepiste
übernachten musste, war schon eher eine Baracke. Das Ding hatte ein festes Dach, Wände aus Holzbrettern, sogar Fenster mit hier und da einer Glasscheibe drin, und war somit um einiges besser als die hier üblichen Lehmhütten. Der Kommandant saß hinter einem Tisch, bei dem man ein fehlendes Tischbein durch einen roh zurechtgeschnitzten Ast ersetzt hatte, der
mit Tauwerk angebunden war .
 ”Willkommen, willkommen, die Herren“ mit einer eleganten, fast großzügigen Handbewegung zeigte er auf zwei Schemel, die vor dem Tisch aufgestellt waren, in einer fast rührend wirkenden Inszenierung eines Büros. Ramazani holte sich eine Filterzigarette aus einem Lederetui, das hier
mitten im Urwald völlig fehl am Platze erschien und angelte sich einem Zippo-Anzünder aus seiner Brusttasche.
„Kann ich Ihnen auch eine Zigarette anbieten?“
Winter meinte in dem Nebenraum, lediglich abgetrennt durch eine Spanplatte, Geräusche zu hören, Kichern oder so, eher etwas Nettes. Der Kommandant tat so, als ob er nichts Ungewöhnliches hören
würde, also machte Winter genau dasselbe. 
„Die Ladung für heute steht selbstverständlich bereit. Das wissen Sie ja bereits. Wir, vom FLNC halten unser Wort. Dennoch möchte ich Sie bitten, etwas, sagen wir mal Außergewöhnliches, sozusagen fast auf privater Ebene für uns hier in Walikale zu tun. Ist ja eigentlich auch in
Ihrem eigenem Interesse.“
Steiner beobachtete den Kommandanten äußerst interessiert und fragte sich, was er um Himmelswillen privat mit diesem Schleimscheißer zu tun haben könnte. Erneut hörte er aus dem Nebenraum dieses gurrende Geräusch. Er fing an zu denken, dass da nebenan jemand sehr viel Spaß hatte. Eigenartig. Auf jeden Fall sah er am Gesichtsausdruck des Schwarzen, dass der
nunmehr nicht mehr weiter so tat, als ob er nichts gehört hätte.
„Also entschuldigen Sie, ich muss da….“
In dem Moment, als Ramazani aufstand, vermutlich um nachzuschauen, was da eigentlich passierte, wurde die Tür des Nebenraums aufgerissen und zwei sehr spärlich angezogene, kichernde und sich aneinander klammernde junge Frauen stürzten fast in den Raum hinein.
Wow, schoss es Winter durch den Kopf, dasKerlchen hier scheint es sich gut gehen zu lassen. Er erinnerte sich einmal gelesen zu haben, dass es das Phänomen der Groupies nicht nur bei Popstars gäbe, sondern dass es auch so etwas wie Kriegsgroupies gab. Kommandant Ramazani als sexy oder gar als Sexsymbol zu bezeichnen, das ging Winter aber um einiges zu weit. Nachdem Ramazani die beiden offensichtlich leicht beschwipsten, fortwährend kichernden Mädels mit mehr als nur ein bisschen Mühe wieder aus dem Zimmer bugsiert hatte, grinste er Winter und Steiner ziemlich anzüglich an und sagte ölig:
„Man hat halt manchmal so seine Schwierigkeiten mit den geilen 
Fotzen, das kennen Sie doch sicherlich auch, nicht wahr, meine Herren“
Als ob es darum ginge, eine falsch verstandene Männersolidarität zu  
besiegeln, fingen die drei Herren plötzlich laut an zu lachen. Kann nicht schaden, dachte Steiner, kann nicht schaden, wenn der meint, wir seien hier dicke Kameraden. Kann nicht schaden.
„Also, wo war ich stehen geblieben, ach ja, ich hätte gern, wenn Sie   
mir hier etwas Hilfestellung leisten könnten. Sehen Sie, hier unten kann ich ab und zu ein bisschen Strom machen, den wir für die Funkanlage brauchen. Damit kann ich sogar hin und wieder mal ein Bier kühlen, aber da oben bei der Mine, da hätte ich noch etwas ganz besonderes.“

* * *

Sie waren nun schon mehr als drei Stunden unterwegs, die Hitze war unerträglich, der Schweiß quoll ihm aus allen Poren, seine Klamotten waren pitschnass. Unaufhörlich summten irgendwelche Quälgeister um ihn herum, attackierten seine Hände, seinen Nacken, jedes Teilchen Haut, was nicht abbedeckt war. Der durch viele Füße ausgeschlissene Pfad schlängelte sich immer höher den Berg hinauf. Die Nässe tropfte stetig von den Bäumen, vom Gestrüpp und von allem anderen Grünzeug herunter. Alles war klamm, modrig. Kein Sonnenstrahl drang durch das Gewölbe der Baumkronen hindurch. So stellte Winter sich einen echten Urwald vor und damit lag er wohl richtig. Warum um Himmels willen hatte er zugesagt, sich diesen dämlichen Generator anzuschauen? Wie blöd konnte man sein. Gut, wenn Ramazani meinte, er könne mehr von dem Zeug produzieren, wenn man auch mal in zwei Schichten arbeiten könnte, dann hörte sich das ja noch vernünftig an. Aber, dass er von seiner Heeresleitung nicht ausreichend Personal kriegen würde, um eine reibungslose Versorgung mit Coltan zu versichern, das konnte Winter nicht so ganz glauben. Da steckte bestimmt noch etwas anders dahinter. Auf jeden Fall hatte er das jetzt an der Backe. Wie hatte man denn damals
diesen Generator den Berg hochgeschafft? Da muss es doch so etwas wie eine Straße gegeben haben. Ein wenig weiter vorne marschierte Kommandant Ramazani mit Steiner im Schlepptau. Dem schien das gar nicht so viel auszumachen. Vermutlich machte der eine ganze Menge mehr an Körpertraining. Als ob er Winters Gedanken erraten hätte, hielt Steiner kurz an und lehnte sich gegen ein junges Bäumchen.
„Bisschen heiß hier, oder? Lass uns mal eine Pause machen“
Winter schmiss erstmal die Uzi und seinen Rucksack, beides Dinge, die er ohnehin nur widerwillig mitgenommen hatte, auf die Erde.
„Wie haben die denn wohl früher das Coltan hier runter geschafft“
„Ich habe da so ein bisschen mit unserem Kommandanten gelabert. Es gab hier so ‘ne Art Schotterweg, eine Serpentine, die sich entlang dem Berg hoch schraubte. Ist aber fast gänzlich weggespült, ist vielleicht sogar noch begehbar, aber die Strecke ist sehr viel länger, da die
Steigung nicht so stark ist, verstehst du?“
„Hast du die Typen gesehen, die das Zeug hier herunterbringen, das sind ja fast alles Kinder, oder? Mann, das muss ja knallhart sein, den Hang hier hinunter zu schlittern mit 50 kg oder so auf den Buckel.“
                                                    * * *
Der Lichtstrahl der Taschenlampe wurde zusehends schwächer. Jetzt musste er wohl raus aus dem Loch, um sich neue Batterien zu holen. Antoine Muhongo steckte sich den Hammer in den Hosenbund, haute dem Kumpel, der neben ihm stand auf der Schulter, und machte Zeichen, dass er aus der Höhle raus wollte. Der winkte nur mit der linken Hand, um anzudeuten, dass er verstanden hatte, und haute weiter auf das Gestein ein, das schwach rötlich leuchtete unter dem Licht seiner Lampe. Muhongo riss der Stabslaterne, die er sich mittels eines Stofffetzens an seinem Kopf befestigt hatte herunter und kroch auf allen Vieren in Richtung des Lichtes, des Ausganges.
„Aber hallo, Muhongo, du kleines Arschloch, was meinst du wohl wo du hingehst héé?“
Der Bewacher, am Eingang des Loches war nur einige Jahre älter als Antoine, vielleicht war er sechzehn oder siebzehn. Es war Emery Mulele, nicht der Allerschlimmste, aber dennoch mit Vorsicht zu genießen, mit viel Vorsicht sogar. Der hatte nämlich, seitdem er hier in dem neu errichteten Lager fest saß, wo es weder ein paar bereitwillige Nutten noch irgendwelche Mamas gab, die man genüsslich vergewaltigen konnte, entdeckt, dass er genauso geil wurde und genauso kam, wenn sein beachtlicher Schwanz durch einen Kindermund abgelutscht wurde. Er wäre echt viel lieber weiter auf dem Vormarsch gewesen, da konnte man in jeder Siedlung, überall wo ein paar Hütten standen, sich jede Frau grapschen, derer man habhaft werden konnte. Die Birne voll mit Ganja, hitzig durch das Töten, nur Ficken im Kopf. Alleine bei der schmerzhaft deutlichen Erinnerung wurde er schon wieder geil, fühlte wie sein Schwanz anfing zu pochen. Der Klang seiner Stimme reichte aus, um den kleinen „creuseur“ sofort anhalten zu lassen. Er musste sich noch nicht mal die Mühe machen, seine AK-47 hochzuheben oder zu richten. Creuseurs wurden sie hier genannt, die kleinen Jungs die in den Berg hineinkrochen, um das durch die Elektronikindustrie so sehr begehrte Coltan buchstäblich herauszuhauen. Creuseur, was soviel bedeuten kann, wie einer der gräbt, ein Grabender oder aber auch ein Grabtier. Kleine Sklaven, die sich in den Berg hineinfrästen mit nichts
anderem als ihren Händen, Hammer, Meißel und eben eine Stablampe.
„Tut mir leid, Chef, die Batterien sind alle, kann ich mir neue abholen 
gehen?“
„Muhongo, mach dass du wieder in die Mine kommst, dein Licht ist 
mir scheißegal. Hier geht vor Schichtende keiner raus.“
Drohend richtete er den Kolben der Kalaschnikow auf Antoines
Gesicht.
“Beeilung, Kleiner, ab mit dir ins Loch“
„Aber bitte, Chef, ich kann doch nicht arbeiten ohne Licht.“
Komm her, du Nichts, komm her, ich werde dich arbeiten lassen.“
Jetzt hatte Emery Mulele plötzlich etwas ganz anderes im Kopf, als 
darauf zu achten, dass die Arbeit fleißig voranging. Nun war er wieder der geile Krieger, der Prädator, derjenige der nimmt was er will, wann er es will. Muhongo verstand zunächst gar nicht, was da passierte. Zwei starke Hände griffen sein zerrissenes Hemd, zogen ihn näher und drückten sein Kopf hinunter.
“Los, du geiles Schwein, hohl ihn mir schon raus, los, los.“

                                      * * *

Der erste Anblick der Coltan Mine war, alles außer beeindruckend. Bestehend aus roter Erde, durchlöchert wie ein Schweizer Käse, dazwischen kleine Figürchen. Ramazani brüllte irgendwelche Befehle in einer unverständlichen Sprache und alsbald kam ein halbwegs Uniformierter mit einem Eimer trübem Wasser angetrabt, damit sie sich erfrischen konnten.
„So, meine Herren, sobald wir uns wieder ein bisschen erholt haben, wollen wir dann an die Arbeit. Sie werden sehen, wenn wir diesen Generator wieder ans Laufen kriegen, wird die Gewinnung des Erzes hier um ein Vielfaches vereinfacht. Dann ist Ihre Bevorratung mehr als sichergestellt. Hier, trinken Sie einen frischen Schluck und dann machen wir uns auf den Weg.“
Und als ob er ein Zauberlehrling wäre, holte er grinsend wie ein Ölgötze, eine in Styropor verpackte Flasche kaltes Bier aus seinem Rucksack.
„Das, meine Herren, sind die kleinen Freuden des Lebens.“
Ramazani brachte sie dann, weiterhin jovial plaudernd, zu den Überbleibseln einer Hütte, wo tatsächlich ein mit einer zugebundenen Plane abgedeckter VW-Generator stand.
Steiner war geistig auf einiges vorbereitet gewesen, aber das hier hatte er nun doch nicht erwartet. Die Arbeiter hier, das waren ja Kinder. Die sahen zwar nicht unterernährt aus, das wäre zu viel gesagt, aber ängstlich sahen die aus. Kann man eigentlich ängstlich aussehen, schoss es ihm durch den Kopf. Nein, man sieht nicht ängstlich aus, man benimmt sich ängstlich. Man nimmt eine demütige Haltung ein, man bewegt sich rücksichtsvoll, will bloß nicht auf sich aufmerksam
machen. Viele dieser Kinder hatten mit Sicherheit noch nie in Ihrem Leben einen Mundele – einen Weißen – gesehen und dennoch war hier keine Spur von Interesse zu sehen. Nichts. Die duckten sich. Natürlich, dachte er, dadurch, dass auch ich eine Waffe trage, meinen diese Unglückswürmchen, dass ich dazugehöre, dass auch ich ein Bewacher bin, ein Unterdrücker. Ach du meine Fresse. Winter hatte sofort seine Werkzeugkiste geöffnet, die einer der schwarzen Soldaten den Berg hochgeschleppt hatte, und fing an die Schutzverkleidung des Generators abzuschrauben. Es faszinierte Steiner immer wieder, wie der Winter, wie eigentlich jeder gute
Mechaniker, und Winter war ein guter Mechaniker, sich leicht in einem Zustand der Trance zu versetzen vermochte. Sobald der anfing, an einem hochgezüchteten Motor, einem gut gearbeiteten Stück Mechanik, einer interessanten Maschine zu arbeiten, trat dieses Phänomen auf. Da existierte außer der momentanen Arbeit nichts mehr.
„Ich werde hier wohl noch ein bisschen Zeit brauchen, um das Scheißding zu untersuchen, aber wenn ich die Ersatzteile finden kann, müsste man es wieder ans Laufen kriegen. Könnte klappen.“ flüsterte Gerd Winter vor sich hin. Steiner ging unterdessen herüber zu Ramazani, der sich mit einem Bewacher unterhielt. Antoines Muhongos Übelkeit war schlagartig verschwunden gewesen. Mundeles im Lager, das hatte es noch nie gegeben. Mundeles, das bedeutete immer etwas Besonderes, dann passierte etwas. Er hatte zwar noch nicht viele Weiße gesehen in seinem jungen
Leben, aber irgendwie war das immer etwas Positives gewesen. Vielleicht waren die gekommen, um ihn von der elenden Arbeit zu befreien. Nee, doch wohl nicht, die waren ja bewaffnet. Wäre schon
schön, wenn er nicht mehr so viel geschlagen würde. Die Erscheinung der Mundeles im Lager bedeutete etwas, da war er sich sicher.

Das Coltan-Spiel.
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